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Sechs kleine, vergoldete Silberlöffel mit geripptem Muster.
Im originalen grünen Reiseetui aus Maroquinleder mit vergoldeten Kanten und Messingschlössern.
Von François-Daniel Imlin, Mitglied der Silberschmiedezunft seit 1780.
Straßburg 1780–1784.
Gewicht: 172 Gramm.
Ein ähnliches Set im Etui wurde am Mittwoch, dem 10. Dezember 2008, bei Pierre Bergé et Associés: Möbel und Kunstgewerbe (Los 168) versteigert.
FRANÇOIS-DANIEL IMLIN (1757–1827, Mitglied der Silberschmiedezunft seit 1780)
François-Daniel Imlin war ein Silberschmied des 18. Jahrhunderts aus einer Straßburger Silberschmiededynastie.
Im 18. Jahrhundert war Straßburg ein bedeutendes Zentrum der Silberproduktion. Die Manufaktur war damals in ganz Europa für die Qualität und Schönheit ihrer Silbervergoldungen berühmt. Die brillante Vergoldung, kombiniert mit dem reichen Schmuck der Stücke, entsprach dem Geschmack der aristokratischen Kundschaft, die sich damals dem französischen Service („service à la française“) verschrieben hatte. Bedeutende deutsche Familien wie die Hanau-Lichtenberg, die Landgrafen von Hessen-Darmstadt und die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken erteilten bedeutende Aufträge. Die Produktion umfasste aber auch liturgische Stücke für England und das übrige Europa.
Die Familie Imlin zählte zu den berühmtesten Goldschmiededynastien Straßburgs, ihr Name ist untrennbar mit der Straßburger Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts verbunden. Sie belieferten alle wichtigen Auftraggeber. Mehrere Stücke aus den Imlin-Werkstätten sind im Allgemeinen Inventar des Kulturerbes als historische Denkmäler verzeichnet und werden in Museen aufbewahrt, insbesondere im Kunstgewerbemuseum Straßburg. François-Daniel Imlin schuf zusammen mit Jacques-Frédéric Kirstein, einem Nachkommen einer anderen berühmten Goldschmiededynastie, die Schlüssel der Stadt Straßburg und deren Präsentationsständer.
Die Imlinstraße in Straßburg erinnert an die bedeutende Rolle der Familie Imlin im künstlerischen Leben der Stadt.
François-Daniel Imlin fertigte Objekte im neoklassizistischen Stil, die sich durch Schlichtheit und Eleganz auszeichneten. Beispiele hierfür sind zwei Kandelaber und eine Schale mit Deckel, die im Katalog der Ausstellung „Zwei Jahrhunderte Goldschmiedekunst in Straßburg“ (2004) abgebildet sind. In der Tradition seiner Familie stellte der Goldschmied zahlreiche Reisekoffer für seine wohlhabende, aristokratische Kundschaft her. Die Objekte bestanden fast immer aus vergoldetem Silber (Vermeil) und enthielten verschiedene Gegenstände, die auf langen Reisen unerlässlich waren, wie beispielsweise die hier abgebildeten Löffel. Diese Handwerkskunst wird beispielsweise durch das bedeutende Service veranschaulicht, das Imlin für den Landgrafen von Hessen-Darmstadt anfertigte.
Museen, öffentliche Einrichtungen und denkmalgeschützte Objekte
Museum für Angewandte Kunst, Straßburg – Paar Kerzenleuchter in Form eines dreibeinigen Athener Mädchens – 1809.
Museum für Angewandte Kunst, Straßburg – Vergoldete Schale mit Deckel und Ständer – 1784.
Museum für Angewandte Kunst, Straßburg – Ovaler vergoldeter Kelch – ehemals Sammlung César Winterhalter.
Museum für Angewandte Kunst, Straßburg – Paar ovale Salzfässer – 1798.
Museum für Angewandte Kunst, Straßburg – Paar Kerzenleuchter in Form eines dreibeinigen Obelisken – 1809–1819.
Historisches Museum Straßburg – Schlüssel der Stadt Straßburg mit Präsentationsständer – vergoldetes Silber, um 1805.
Zeichnungssammlung Straßburg – Bouillonschale – Entwurf eines Goldschmieds, 1790–1810.
Kirche Saint-Maurice, Besançon – Silberkelch – 1784. Denkmalgeschützt.
Kirche Saint-Aphrodisius, Béziers – Vergoldeter Silberkelch – Straßburg, 1784. Denkmalgeschützt.
Kirche Saint-Aphrodisie, Béziers – Repoussé-Silber-Kochgeschirr – Straßburg, 1784–1791. Denkmalgeschützt.
Kirche Charezier – Silberkelch – Ende des 18. Jahrhunderts. Denkmalgeschützt.
Saint-Martin-Kirche, Daschtein – Vergoldete Ampulle für heilige Öle – Punzen von Jean-Louis Imlin II und François-Daniel Imlin.
Saint-Martin-Kirche, Flassigny – Vergoldeter Kelch und Patene – als historisches Denkmal eingetragen.
Saint-Georges-Kirche, Haguenau – Silberner Kelch und Patene im Stil Ludwigs XVI. – 1788, öffentliches Eigentum.
Victoria & Albert Museum, London – Vergoldeter Kelch – Straßburg, 1779.
Literaturverzeichnis
Alemany-Dessaint, Véronique, Französische Goldschmiedekunst, 1988.
Dennis, Faith, Drei Cent französisches Silber, 1960 (Nr. 540).
FARGES-MÉRICOURT, Bericht über die Reise Seiner Majestät Karl X. ins Elsass, 1829.
HAUG, Hans, Connaissance des Arts Nr. 151, 1964 (Abb. S. 107).
HAUG, Hans, Straßburger Goldschmiedekunst in französischen öffentlichen Sammlungen, Éditions des Musées Nationaux, Palais du Louvre, 1978.
HAUG, Geneviève, Straßburger Goldschmiedekunst von ihren Anfängen bis zum 19. Jahrhundert, Revue d'Alsace, 110, 1984, S. 113–140 (S. 133).
LOMAX, James, „Hugenottengoldschmiede in England“, in: *Seeing Beyond the Word: Visual Arts and the Calvinist Tradition*, Hugenot Heritage, Paul Corby Finney, 1999, S. 100.
LOTZ, François, *Elsässische Maler der Antike, 1800–1880*, Nr. 156.
LUDMANN, Jean-Daniel, *Neues Lexikon der elsässischen Biographie*, Bd. 18.
MARTIN, Étienne, *Zwei Jahrhunderte Goldschmiedekunst*
Ref: J647GTB3P0