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Steigbügel mit stilisiertem Nashornvogelmotiv
Senufo-Tradition (Nördliche Elfenbeinküste / Südliches Mali)
Geschnitztes Holz, alte Pflanzenfaserschnur
H. 17 cm – B. 8 cm – T. 4 cm – Gewicht: 130 g
Erste Hälfte / Mitte des 20. Jahrhunderts (1930–1960)
Dieser Steigbügel zeichnet sich durch einen stark stilisierten Nashornvogelkopf aus, der sofort an seinem langen, spitz zulaufenden Schnabel erkennbar ist, der senkrecht nach unten verläuft. Der sorgfältig gerundete Kopf ruht auf einem kurzen, zylindrischen Hals, der in einen U-förmigen, gebogenen Korpus übergeht, typisch für Senufo-Steigbügel.
Kopf: kugelförmig, vollkommen glatt, mit einem langen, dreieckigen, senkrecht nach unten gerichteten Schnabel.
Körper: breite, konvexe Platte, die einen leicht gewölbten Bogen bildet.
Stützen: zwei gerade, senkrecht nach unten verlaufende, leicht ausgestellte Stützen. Seitliche Perforationen: Beidseitig vorhanden für die Seilrollenachse (heute fehlend).
Seil: Altes Pflanzenfasergeflecht, noch vorhanden, entsprechend der traditionellen Verwendung.
Die Patina ist dunkel und matt, mit einem dezenten Glanz an Stellen mit Reibung. Natürliche, stabilisierte Gebrauchsspuren.
Kulturelle Zuordnung: Die Gesamtform (zoomorpher Kopf, ausgeprägter Schnabel, sanfter Bogen, gerade Streben), die schlichte Verzierung und die Darstellung eines Nashornvogels – eines hochsymbolischen Vogels – deuten stark auf einen Ursprung in der Senufo-Kultur hin.
Bei den Senufo:
Der Nashornvogel wird mit Weisheit, der Weitergabe von Wissen und dem Poro (Initiationsgesellschaft) in Verbindung gebracht.
Sein Bild findet sich in vielen Kunstformen: Kpelie-Masken, Poro-Pio-Figuren und Objekten, die mit Weberei und kultureller Weitergabe in Verbindung stehen.
Die sehr klaren, fast geometrischen Formen erinnern an ältere Exemplare aus dem Norden der Elfenbeinküste, insbesondere aus den Regionen Korhogo, Ferkessédougou und Dianra.
Dies ist ein Rollenbügel, der Folgendes hielt:
Eine Holzachse (fehlt),
Ein Rollenrad (fehlt ebenfalls),
Die gesamte Konstruktion für einen vertikalen Webstuhl.
Bei diesem Objekttyp ist der verzierte Bügel der sichtbare Teil. Er gilt als schützend und hat mitunter eine symbolische Bedeutung:
Schutz des Webers,
Förderung des Gelingens der Textilarbeit,
Abwehr negativer Einflüsse.
Zustand
Sehr guter Gesamtzustand. Schöne, gleichmäßige, alte Patina. Der Bügel weist oben leichte Gebrauchsspuren auf – typisch für Handhabung und Alter. Leichte Spuren natürlicher Abnutzung an den Streben. Die Schnur ist teilweise ausgefranst, aber wahrscheinlich original und wurde nicht ersetzt.
Keine strukturellen Schäden, keine größeren Risse.
Stabiles Objekt, bemerkenswert gut erhalten angesichts seines Alters und seiner ursprünglichen Funktion.
Verwandte Museen in der Nähe:
Musée du Quai Branly – Jacques Chirac
Westafrikanische Abteilung: Mehrere Senufo-Steigbügel mit stilisierten Tierköpfen (darunter Nashornvogel und Perlhuhn).
Beispiele: Inv.-Nr. 73.1969.0.78, 71.1970.40.2.
Metropolitan Museum of Art, New York
Afrikanische Sammlung – Senufo-Webobjekte: vereinfachte, figürliche Steigbügel.
Museum Rietberg, Zürich
Poro-Objekte – Nashornvogel-Skulpturen, deren Gesamtform an den charakteristischen dreieckigen Schnabel erinnert.
Bibliographische Hinweise:
Fischer, E. & Himmelheber, H.
Die Kunst der Senufo, Museum Rietberg, 1984.
Gagliardi, Susan Elizabeth
Senufo: Kunst und Identität in Westafrika, Cleveland Museum of Art, 2015.
Herbert M.J.
Senufo-Skulptur aus Westafrika, African Arts, 1974.
Binet, Jacques
Arts traditionnelles Sénoufo, Abidjan, 1986.
Ref: T2332DWDSS