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Steigbügel mit Seilzug – Stilisierte anthropomorphe Figur
Wahrscheinliche Herkunft: Elfenbeinküste / Östliches Dan-Gebiet – oder Wé-Kulturraum – Webtradition
Material: Hartholz mit alter Patina
Maße: L 15 cm – B 7 cm – T 2 cm
Gewicht: 90 g
Geschätztes Entstehungsdatum: Erste Hälfte / Mitte des 20. Jahrhunderts
Dieser Steigbügel mit Seilzug hat die Form einer stark stilisierten anthropomorphen Figur und ist aus einem einzigen Holzblock geschnitzt.
Eiförmiger Kopf mit stark stilisiertem Gesicht:
Schlicht eingeritzte, horizontale Augen;
Rechteckiger Mund, durch eine ausgeprägte Rille abgetrennt;
Vertikale Rillen deuten auf einen Bart oder eine rituelle Behandlung hin.
Massiver und gedrungener Körper, auf eine nahezu rechteckige Form reduziert, mit flachen Schultern und verschmolzenen Armen, die die Rille einrahmen, in der der Seilzug ruht.
Gravierte Verzierungen auf Brust und Rücken:
Auf dem Rücken strahlenförmige, sternförmig angeordnete geometrische Muster, typisch für Steigbügel der Dan und Wé;
Auf der Vorderseite lange, vertikale Einschnitte, die an symbolische Narbenbildung oder einen stilisierten Lendenschurz erinnern.
Originale, diaboloförmige Rolle, montiert auf einer Holzachse, gehalten von einem alten Pflanzenfaserband. Authentische Gebrauchsspuren.
Das Stück besticht durch eine harmonische Stilrichtung, rustikale und dennoch stimmige Handwerkskunst sowie eine tiefe Patina, die durch lange Nutzung entstanden ist. Die Völker der Dan und Wé nutzten vertikale Webstühle: Die anthropomorphen Rollen erfüllten sowohl eine technische als auch eine symbolische Funktion:
Sie führten die Schnur des Webstuhls.
Sie sollten die Arbeit des Webers schützen, Fadenbrüche verhindern und eine erfolgreiche Textilproduktion gewährleisten.
Die Darstellung einer Schutzfigur spiegelt ein animistisches Glaubenssystem wider, in dem Arbeitsgegenständen spirituelle Kräfte zugeschrieben werden (gle, du usw.).
Die geometrischen Formen und Einkerbungen spiegeln die Ästhetik ländlicher Werkstätten wider, in denen jeder Weber seinen Steigbügel nach eigenem Geschmack schnitzte (oder schnitzen ließ).
Obwohl die Verarbeitung schlicht ist, weist das Objekt Folgendes auf:
Eine schöne ikonografische Kohärenz,
eine tiefe Patina,
Gebrauchsspuren, die auf eine lange Nutzung hindeuten,
einen für die Dan/Wé-Region typischen Stil.
Der minimalistische Ausdruck und die geometrischen Verzierungen unterstreichen seine fast totemartige Wirkung.
Zustand
Alte Risse sind stabilisiert.
An den Rändern sind einige kleinere Fehlstellen vorhanden.
Originale Achse und Rolle, was selten ist.
Die gleichmäßige Patina deutet auf lange Nutzung und nicht auf dekorative Verzierungen hin.
Nichts spricht für das hohe Alter des Objekts.
Wichtige bibliografische Angaben
1. Robbins, Warren M., & Nooter, Nancy Ingram: Afrikanische Kunst in amerikanischen Sammlungen, Smithsonian Institution Press, 1989.
Beschreibt verschiedene anthropomorphe Dan- und Baoulé-Rollen (Elfenbeinküste).
Ein grundlegendes Werk zum Verständnis von Typologie und Variationen.
2. Fisher, Angela: Afrika geschmückt, Harry N. Abrams, 1984.
Hervorragende Fotografien von Webstühlen und ihren Komponenten, darunter figürliche Rollen.
3. Homberger, Lorenz: Afrikanische Textilkunst, Museum Rietberg Zürich, 1980.
Detaillierte Analyse der Webkunst in Westafrika und Präsentation von Dan/We-Steigbügeln. Siegmann, William C.: Afrikanische Wandteppiche: Webstühle und Techniken, UCLA Fowler Museum, 1989.
Ein wichtiges Nachschlagewerk zum Verständnis der technischen Funktion von Steigbügeln.
5. Holas, Bohumil
The Dan, IFAN Memoirs, Dakar, 1950er–60er Jahre.
Dokumentiert geschnitzte Flaschenzüge und ihre symbolische Dimension.
6. Himmelheber, Hans
Negerkunst und Negerkünstler, Braunschweig, 1960.
Abbildungen anthropomorpher Dan-Rollen, von denen einige stilistisch sehr ähnlich sind.
7. Kerchache, Jacques; Paudrat, Jean-Louis; Stephan, Lucien
Afrikanische Kunst, Citadelles & Mazenod, 1988.
Einige Baoulé/Dan-Rollenspiele und stilistische Analyse von Gebrauchsgegenständen, die von spiritueller Kraft durchdrungen sind.
Museumsreferenzen
Quai Branly – Jacques Chirac Museum (Paris)
Mehrere Dan/Wé/Baoulé-Steigbügel in der ständigen Sammlung:
Inventar 73.1997.12.1 (Dan-Rolle)
Inv. 73.1990.60.1 (Wé-Rolle)
Inv. 71.1931.83.14 (Baoulé – anthropomorphe Form)
Diese Datensätze können auf der Website des Museums eingesehen werden.
UCLA Fowler Museum (Los Angeles)
Große Sammlung westafrikanischer Webstühle.
Referenz: Sammlung „African Looms and Accessories“.
Brooklyn Museum (New York)
Besitzt mehrere Rollensteigbügel:
Inv. 22.1499 (Dan – anthropomorph)
Inv. 74.218 (Wé – stilisierte Figur)
Metropolitan Museum of Art, New York
Weniger zahlreich, aber einige Baoulé-Stücke.
Museum Rietberg, Zürich
Außergewöhnliche Sammlung von Objekten mit Bezug zur Weberei.
Mehrere Dan-Rollen sind in den Katalogen abgebildet.
Barbier-Mueller Museum (Genf)
Reichhaltiger Bestand an skulpturalen Alltagsgegenständen:
Einige Stücke ähneln sich in ihrer Schlichtheit und symbolischen Bedeutung.
Verweise in Auktionskatalogen:
Sotheby’s – Auktionen für afrikanische und ozeanische Kunst
Dan- oder Wé-Rollen desselben Stils werden regelmäßig angeboten.
Sotheby’s Paris, 5. Dezember
Ref: T8SZIM1RZP