So groß ihre dekorative Wirkung auch sein mag, glasierte Irdenware will mit Bedacht gekauft werden.
6 Preiskriterien
1. Der Modeeffekt
Derzeit hat glasierte Irdenware infolge eines Übermaßes an Fälschungen und Reproduktionen an Wert verloren.
2. Wirkung und Abmessungen
Größe und visuelle Wirkung eines Stücks spielen eine entscheidende Rolle. Imposante Objekte wie große Gartenkrüge oder Prunkbrunnen sind wegen ihres dekorativen Potenzials sehr gefragt. Umgekehrt begeistern Miniaturen oder Stücke mit sehr ungewöhnlichen Formen (zoomorphe Wasserkrüge, aufwendige Tintenfässer) versierte Sammler und erzielen hohe Preise. Gewöhnliche Gebrauchsstücke mittlerer Größe sind am niedrigsten bewertet.

3. Die Gebrauchsspuren
Es ist gut, wenn glasierte Irdenware Spuren langjährigen Gebrauchs aufweist, ja sogar Gerüche.
4. Die Glasur
Die Tiefe der Glasur, eventuell mit einem leichten Anklang an abstrakte Kunst, ist wichtig. In dieser Hinsicht sind die Erzeugnisse aus Pré d’Auge (Normandie) sehr geschätzt.
5. Herstellungsort und Werkstatt
Die geografische Herkunft und die Signatur (mitunter eine Stempelmarke oder ein typisches Dekor) bestimmen den Preis maßgeblich. Bestimmte Regionen oder nicht mehr bestehende Werkstätten sind besonders spekulativ: Neben Pré d’Auge genießen die Erzeugnisse aus Sadirac und Biot (insbesondere die Krüge) sowie die glasierten Töpferwaren aus dem Beauvaisis und aus Savoyen auf dem Markt einen hohen Seltenheitsaufschlag.
6. Der Erhaltungszustand
Bei glasierter Irdenware mit zu vielen Abplatzungen kann der Wert um 50 % sinken. Klopfen Sie mit der Fingernagelspitze gegen die Wandung. Klingt der Ton „kurz“, besteht der Verdacht auf einen Sprung. Ist er eher „lang“, klingt das Stück gut.
7. Das Alter
Der Großteil der echten glasierten Irdenware stammt aus der Zeit von 1850 – 1950. Stücke, die vor 1850 entstanden sind, befinden sich häufig in Museen oder sind teurer.



Fälschungen?
Gängige Stücke nachzuahmen lohnt sich kaum, so erschwinglich sind ihre Preise. Stücke aus der Zeit vor 1800 sind schwer zu imitieren. Vorsicht jedoch bei dekorativen Krügen! Seien Sie misstrauisch, wenn sie zu perfekt sind. Ein echtes Stück besitzt eine Patina, Fehlstellen im Email und entspricht den Beschreibungen in Fachbüchern und Museen. So weisen etwa Krüge für Walnussöl eine schwarze, stark riechende Kruste auf.
– Daniel Cagnolati



