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Bedeutender Kopf eines Jain-Heiligen
Indien
5. Jahrhundert n. Chr., Gupta-Zeit
Das bemerkenswert schlichte und sanfte Gesicht zeichnet sich durch geschwungene Brauenwülste über zwei großen, linsenförmigen Augen aus. Die halbgeschlossenen Lider geben den Blick auf die Pupillen frei und vermitteln ein tiefes, von weltlichen Sorgen losgelöstes Innenleben. Volle Wangen umrahmen einen Mund mit ausgeprägten Mundwinkeln, die ein leichtes Lächeln andeuten, über einem leicht vorspringenden Kinn. Die Ohren sind groß, während das fein frisierte Haar in zarten Spiralen in einer dezenten Wölbung am Oberkopf endet. Diese Wölbung, charakteristisch für die Haarstyling-Technik in der Jain-Ikonographie, unterscheidet sich deutlich von der buddhistischen Usnisa.
Erfüllt von innerer Ruhe, unterstreicht unser Werk eine heitere Präsenz, die über die bloße physische Darstellung hinausgeht. Die akribische Detailgenauigkeit der Gesichtszüge, verbunden mit einer spirituellen Idealisierung, macht unser Gesicht nicht nur realistisch, sondern auch zu einem tiefgründigen Symbol des Gupta-Idealismus.
Der Jainismus ist eine der drei großen alten Religionen Indiens. Mahavira, sein historischer Begründer, lebte zwischen 540 und 468 v. Chr. und war ein Zeitgenosse Buddhas. Der Lehre zufolge gab es vor Mahavira 23 weitere Tirthankaras, die Jinas genannt werden. Wie die anderen klassischen Religionen Indiens teilt auch der Jainismus den Glauben an den Kreislauf der Existenz und den periodischen Niedergang der Welt. Um sich von diesem Kreislauf zu befreien, propagiert die Jain-Lehre einen asketischen Lebensstil, der den Verzicht auf weltliche Genüsse und Gewaltlosigkeit (Ahimsa, „das Streben, keinem Leben zu schaden“) gegenüber allen Lebensformen betont. Ahimsa ist die zentrale Lehre des Jainismus.
Die Gupta-Zeit (5.–6. Jahrhundert n. Chr.) markiert einen Höhepunkt der klassischen indischen Kunst, die sich durch erhabene Eleganz und ein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Naturalismus und Idealismus auszeichnet. Die Harmonie der Proportionen, die Ruhe des Ausdrucks und der Reichtum an ornamentalen Details machen sie zu einem Vorbild an Eleganz und Raffinesse.
Ein ähnliches, jedoch kleineres und jüngeres Exemplar ist in der Abbildung der Christie’s-Auktion vom 22. September 2021 in New York zu sehen.
Roter Sandstein
Gebrauchsspuren und sichtbare Beschädigungen
31 x 34,5 cm (ohne Sockel)
Privatsammlung
Kontakt: culturesetcivilisations@orange.fr
Ref: 35FHS5T1A5